Den Berg mit Leichtigkeit bewältigt

2. Etappe der RennFietsen Tour 2011 am 03. Juni 2011

Billerbeck – Wer glaubt ein E-Bike sei ein Fahrrad mit Hilfsmotor und nur etwas für graue Panther und Trevira-Jackenträger, der ist auf dem Holzweg. Beim „Pedelex“ (pedal electric cycle) handelt es sich auch nicht um die moderne Version einer Solex (Mofa). Vielmehr präsentiert sich hier ein modernes Zweirad, das bei Bedarf die Muskelkraft des Pedalritters mit elektrischem Rückenwind unterstützt.
Neugierige sowie Ungläubige erhielten gestern auf der Pättkestour von Schöppingen nach Billerbeck, die die RWE Deutschland organisierte, die Möglichkeit, diese Stahlrösser auf Herz und Nieren zu prüfen.

Die Handhabung ist kinderleicht. Die Einführung in die Technik beschränkt sich auf die Erklärung von drei Tasten: Ein-Aus, Plus, Minus. Das Rad mit 24-Gang-Getriebe fährt sich zunächst wie ein normales Tourenrad. Kaum ist das Ortsausgangsschild von Schöppingen passiert, zieht einer der Teilnehmer – bergan – schon flott an der Truppe vorbei. Ein gut konditionierter Angeber, der sich mächtig ins Zeug legt? „Einfach Stufe vier einstellen“, rät Wilhelm Emmerich, Leiter der Billerbecker RWE-Betriebsstelle, lachend. Guter Tipp. In der Tat: Der nächste Tritt in die Pedale beschleunigt das Gefährt wie von Geisterhand. Das, was gerade noch als Steigung registriert wurde, ist ruckzuck bewältigt.

Auch wenn sich die Gerste auf den Feldern am Schöppinger Berg mächtig im Wind wiegt, ist diese Erhebung mit Leichtigkeit genommen. Zwischen 35 und 75 Kilometer reicht eine Akkuladung, die etwa eine viertel Kilowattstunde ausmacht. „Ein günstiges Vergnügen, bei etwa 20 Cent für eine kw/h)“, rechnet Ingrid Meering vom RWE Regionalzentrum Münster vor.

Und: Die Benutzung des E-Bikes bedeutet nicht, dass sein Fahrer für sich automatisch die Möglichkeit der Fettverbrennung ausschließt. „Es ist damit einfach, den Aktionsradius zu erweitern“, schwärmt Dietmar König, Leiter des RWE-Regionalzentrums Münster, der seine Frau mit dabei hat, um sie mit den Vorteilen des „E-Bikens“ vertraut zu machen. „Sie glaubte bislang, dass die sportliche Komponente dabei zu kurz kommt.“

Das Hinzu- und Ausschalten ist schnell, geräusch- und stufenlos gemacht. Auf halber Strecke beginnt untereinander so langsam der Vergleich. Nur noch zwei Balken im Akku-Display mahnen, langsam mit der Elektroreserve zu haushalten. Nach 35 Kilometern ist schnell ausgemacht, wer selber ordentlich in die Pedale getreten hat und wer sich weniger anstrengte.

Bürgermeisterin Marion Dirks ließ sich – trotz Kleid – schnell zu einer kurzen Testfahrt auf dem RWE-Gelände in Billerbeck überreden. Fazit: „Einfach klasse“, so die Bürgermeisterin. „Das hätte ich früher gerne bei langen Ausflügen mit den Kindern hinten drauf gehabt“.

Die wahren Helden – die Teilnehmer der Rennfietsentour, die an diesem langen Wochenende in vier Tagen 600 Kilometer zurücklegen – machten ebenfalls hier Station. Das Angebot von ihren Rennmaschinen auf E-Bike umzusteigen, lehnten sie selbstverständlich dankend ab. Kommentar: „Vielleicht mal in zehn Jahren.“ Und trotzdem nutzten einige von ihnen die Pause – nach bereits 115 zurückgelegten Kilometern – das Gefährt der anderen Art zu testen. Nur mal eben so.

Quelle: Allgemeine Zeitung (Coesfeld), Ulla Wolanewitz
http://www.wn.de/Archiv/2011/06/Coesfeld-alle-Meldungen-Den-Berg-mit-Leichtigkeit-bewaeltigt