Zieleinfahrt ohne Verlierer

Senden – Helm an Helm, die Blicke durch die dunkle Brille auf den Nebenmann, weit ausladende Bewegungen des Gefährts unter dem Körper: Doch als die Rennfietsen-Tour am Christi Himmelfahrtstag zur Zieleinfahrt auf den Sendener Rathausplatz einbog, konnte man die typischen Bildern eines Radrennens nicht beobachten. Die Fahrerinnen und Fahrer schielen auf keine Platzierung, sondern verfolgen ein höheres Ziel. Der stellvertretende Bürgermeister Alfons Hues begrüßte „Sportler, die nicht nur Sieg oder Niederlage kennen“.
Die Kinderhilfe-Stiftungen Agapedia und Roter Keil haben in Zusammenarbeit mit dem Regionalinitiative Münsterland e.V. diese Tour auf die Beine gestellt, die unter dem Motto „Kinder brauchen starke Partner“ unterwegs ist.

Jeder Kilometer bringt bares Spendengeld. Im dritten Jahr dieser Rundfahrt wollen die Organisatoren den 16 000-Euro-Rekord des vergangenen Jahres zumindest einstellen.

Das Konzept sieht dabei eine viertägige Tour durch das Münsterland vor, deren erste Etappe in Senden endete. Gut gelaunt stiegen die Pedalhelden von ihren Sportgeräten und bedienten sich am Rathaus bereitgestellter Bananen und Wasser. Denn wichtig ist: Die Organisatoren schießen keinen eigenen Betrag dazu, Gemeinden und Sponsoren tragen die Rundfahrt. Und das funktionierte in Senden optimal, weil sich die örtliche Geschäftswelt erheblich engagierte.

Nach dem Empfang am Rathaus brach das Teilnehmerfeld zur Steverhalle auf, wo bereits das Kaffeemobil wartete und später ein Abendessen der Gemeinde aufgetischt wurde. Bereits vorher wurde die Halle zum riesigen Schlafsaal umgewandelt. Und schon während der Fahrt zeigte sich Senden spendabel. Der 2. Vorsitzende des Roten Keils, Christoph Schludecker, hob hervor: „Praktisch die ganze Verpflegung während der Fahrt ist von Sendener Geschäftsleuten bereitgestellt worden.“

Diese gute Versorgung haben sich die Sportler aber auch verdient. Das von persönlichen Unterstützern eingenommene Geld geht komplett an die Stiftungen. Was die Fahrer zurückerhalten, ist allerdings ebenfalls beachtlich: „Wir werden überall mit offenen Armen empfangen, jede Gemeinde lässt sich etwas Besonderes einfallen“, freute sich Volker Schwarz, Gründer des Hobbyradsportteams Roter Keil, das auch in die Streckenplanung involviert war.

Das Team unterstützt das vom ehemaligen Sendener Kaplan Dr. Jochen Reidegeld gegründete Netzwerk gegen Kinderprostitution, Roter Keil. Es fuhr bei der Ankunft in Senden entsprechend „geschlossen vorweg, weil es ja quasi ein Heimspiel in der Gemeinde hat“, erklärte Pressesprecherin Carmen Gunia. Ein bezeichnendes Bild für die gute Organisation der Rundfahrt.

Die entlastet vor allem Fahrerinnen und Fahrer. Der Sendener David Dapper lobt die „gute Stimmung im Team“ und eine „super Organisation“. Doch schaut er den drei kommenden Etappen auch mit gemischten Gefühlen entgegen. Bereits um zehn Uhr ging es am Freitagmorgen wieder auf den Sattel, um fünf Uhr nachmittags war die Ankunft in Metelen geplant. Dabei hatte Dapper schon am Christi Himmelfahrtstag die Erfahrung gemacht: „Die letzten 30 Kilometer hat der Hintern schon geschmerzt.“

» Die Rennfietsen-Tour endet nach vier Etappen und rund 600 Kilometern am Sonntag auf dem Eurocityfest in Münster.

Quelle: Westfälische Nachrichten, Niklas Wieczorek
http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Coesfeld/Senden/2011/06/Senden-Rennfietsen-Tour-Zieleinfahrt-ohne-Verlierer